Hunde begleiten Menschen nun schon seit über 10.000 Jahren. Ob sie als Wölfe vom Menschen domestiziert wurden oder von selbst zum Menschen kamen, weil er sie mit seinen Abfällen anlockte, ist nachträglich schwer festzustellen. Je nach Bedarf und Kulturkreis dienen sie heute dem Schutz von Haus, Hof und Besitzer, übernehmen spezielle Arbeiten bei der Jagd, dem Hüten und Treiben des Viehs, der Verletztensuche nach Katastrophen, Trag- und Zugarbeiten, Trüffelsuche usw. Hunde können blinden Menschen und Rollstuhlfahrern eine sehr weitreichende Hilfe sein. Leider dienen Hunde - wie andere Haustiere auch - in bestimmten Teilen der Welt, besonders in Fernost, immer noch der Ernährung von Menschen. Aber auch die scheinbar nutzlosen Hunde, die alte Menschen an der Leine herumführen oder die mit Kindern spielen, haben ihre Aufgabe als Gesellschafter und Freund gefunden. Gerade solche Hunde tragen sehr zur Gesundheit ihrer Menschen bei. Dies gilt körperlich, da sich Menschen ohne Hund grundsätzlich weniger bewegen als solche mit Hund, aber auch psychisch, da Hunde Leben und Fröhlichkeit ins Haus bringen und traurige Menschen trösten und ablenken.
Hunde sind wundervolle Kumpane des Menschen, wenn sie tiergerecht gehalten und behandelt werden. Es gibt kaum ein anderesLebewesen, das so häufig missverstanden wird wie der Hund. In unserer Überflussgesellschaft werden Hunde einerseits oft vermenschlicht, andererseits aber auch gefühlslos abgeschoben.
Bevor man einen Hund kauft oder selbst Hunde züchtet, sollte man sich alles ganz genau überlegen. Vielleicht wird der Hund 15 Jahre alt und man trägt während dieser ganzen Zeit eine grosse Veranwortung für sein Leben und sein Wohlbefinden. Hunde sind Lebewesen, keine Ware, kein Spielzeug, keine Waffen und auch keine Prestigeobjekte.
Sozialverhalten
Hundeverhalten ist in Form und Häufigkeit mehr oder weniger verändertes Wolfsverhalten. Die in der Wildnis im Rudel zusammenlebenden Tiere entwickeln eine Rangordnung, die ausserordentlich differenziert ist und mittels Mimik und Körpergesten bestätigt oder verändert wird. Zähne blecken, Rückenhaare sträuben, Kopf und Rute erheben sind Zeichen der Überlegenheit; Kopf senken, Einziehen des Schwanzes etc. dagegen Unterwürfigkeitsgebärden.
Wenn sich Hunde zu Meuten zusammenfinden, z.B. im Tierheim oder als Schlittenhunde, beginnt das Rudelverhalten mit seinen Rangordnungskämpfen wieder voll zu spielen. Beim Sozialverhalten der Hunde spielt der Geruchssinn eine wichtige Rolle. Er ist Teil der innerartlichen Verständigung. So beschnuppern die Hunde die Genitalien, um das Geschlecht des anderen festzustellen. Rüden erhalten dadurch auch Informationen über den Zyklus der Weibchen. An bestimmten Orten hinterlassene Urinspritzer liefern anderen Hunden Information über den "Absender". Ausscheidungen werden intensiv beschnuppert. Man verständigt sich mit Duftmarken. Welpen sollten mindestens 12 Wochen in der Wurfgemeinschaft verbringen, um "Sozialkunde" und "Sprachunterricht" zu erlernen.
Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen bei Hunden sind recht häufig. Beispiele sind Selbstverstümmelung, dauerndes Scharren und Kratzen an ungeeigneten Gegenständen und Einrichtungen, Schreckhaftigkeit, abnorme Aggressionsbereitschaft, Angstbeissen, extreme Ängstlichkeit und vieles mehr. Gründe können schlechte Bedingungen in der Jugendentwicklung, falsche Behandlung, erbliche Vorbelastungen, häufig aber eine nicht hundegerechte Haltung sein. Gegen Verhaltensstörungen kann man Massnahmen ergreifen und sich durch Fachleute beraten lassen. Daneben gibt es die Wesensmängel, welche rassetypisch sein können.
Mensch-Hund Verständigung
Es gibt kaum ein Lebewesen, das so freudig erregt und mit höchster Aufmerksamkeit auf ein Zeichen seiner Bezugsperson wartet. Obschon Mensch und Hund andere "Sprachen" sprechen, sind allein schon Dinge wie Körperhaltung, Mimik, Tonfall der Stimme beiderseits klare Hinweise darauf, was der Partner wünscht. Man muss nicht zweimal raten, was der winselnde, scharrende oder knurrende Hund wohl möchte. In der Familie hat sich der Hund unterzuordnen und zu gehorchen. Für den Hund ist es wichtig, dass seine Stellung in der Familie klar ist, d.h. er sollte in der Rangordnung nicht über dem Menschen stehen. Der Hund kann sich besser zurecht finden, wenn die Rangordnung klar gegeben ist und die Familienmitglieder unter sich auch einig sind.
Tiere "reden" mit ihren Artgenossen durch Körperhaltung, Schwanzstellung, Mimik, Lautäusserungen und vielem mehr. Ist der Mensch Kumpan und Artgenossenersatz, dann muss er versuchen, das grosse Defizit ein bisschen wettzumachen. Dies tut er am besten, indem er ruhig mit seinen Schützlingen spricht. Tiere sind ausserordentlich lernfähig und kapieren sehr schnell, was Wörter, Tonlagen oder Gesten bedeuten.
Die täglichen Spaziergänge an der Leine, das Spiel auf der Wiese, die Konfrontation mit wechselnden Umgebungen und das Zusammenarbeiten in der Hundeschule geben Gelegenheit, die Mensch-Tier-Verständigung in allen Feinheiten zu erlernen und zu üben. Beim Hund geht es soweit, dass er später auf unsere eigene Gemütslage eingeht, sogar tröstend auf einen wirken kann.
Unerwünschtes Verhalten
Viele Verhaltensweisen, die eigentlich zum normalen Verhaltensrepertoire des Hundes gehören, können im Rahmen des Zusammenlebens zwischen Mensch und Tier problematisch und damit unerwünscht sein. Aggressives Verhalten wie Schnappen ist unter Hunden normal, etwa wenn es um soziale Auseinandersetzungen geht. Hingegen kann dieses Verhalten, wenn es auf Menschen gerichtet ist, nicht toleriert werden und es gilt, die Ursachen zu erkennen und den Hund zu therapieren. Auch das Verfolgen von bewegten Objekten wie Joggern, Radfahrern, Skatern oder Reitern sollte dem Hund abgewöhnt werden. Gerade im Fall von Reitern kann dies böse Unfälle zur Folge haben, zumal nicht alle Pferde einem heranrasenden Hund mit Gelassenheit begegnen. Also im Zweifelsfall den Hund anleinen!
In der Wohnung ist das Benagen von Einrichtungen, das Betteln bei Tisch, das unablässige Heulen und Bellen bei Abwesenheit der Bewohner oder die Inbesitznahme und aggressive Verteidigung von "Möbelstücken" wie Bett oder Couch problematisch. Auch hier gilt, dem Hund diese Verhaltensweisen abzugewöhnen. Es gibt genügend Beratungsstellen und Therapeut(inn)en, welche weiterhelfen können. Das A und O der Hundeerziehung ist, wie bei den Kindern, Konsequenz. Zudem sollten in der Familie alle das selbe Ziel verfolgen.
Launenbarometer
Als Hundehalterin oder Hundehalter lernt man im Laufe der Jahre die meisten Signale seines Vierbeiners kennen. Schon der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung zeigen unmissverständlich, ob das Tier beleidigt, unterwürfig, aggressiv, Liebkosungen heischend, drohend, sexuell erregt, hungrig, zum Spielen auffordernd, sehr schläfrig, gelangweilt oder wie auch immer gestimmt ist. Auch umgekehrt funktioniert dies bestens: Der Hund spürt haargenau, was mit der eigenen Stimmung gerade los ist, da er uns fortwährend beobachtet.